Fahrzeugpolitik „veraltet“ / Carolinensieler begrüßen ihre erste Feuerwehrfrau

CAROLINENSIEL/rn - Beim Punkt „Verschiedenes“ sprach der stellvertretende Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Carolinensiel, Jens Fremy, die anwesenden Politiker direkt an.

Fremy forderte am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung der Wehr die Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplans durch einen Feuerwehrgutachter. Die Fahrzeugpolitik in Carolinensiel sei auf dem Stand der 1970er Jahre. Daher sei auch ein zukunftsorientiertes Fahrzeugkonzept erforderlich.

Fremy erläuterte die Notwendigkeit: Carolinensiel sei im Sommer eine Kleinstadt mit 2000 Einwohnern, 7500 Gästebetten, einem Campingplatz für 2500 Personen und einem Fähranleger mit einem täglichen Passagieraufkommen von mehr als 1500 Menschen (Tendenz steigend). Zudem gebe es einen Kleinflughafen mit bis zu 20 Starts und Landungen pro Tag, ein Mutter-Kind-Heim und ein Altenwohnheim. Der Durchgangsverkehr liege täglich bei rund 8500 Fahrzeugen.

Neben zeitgemäßer Bedarfsplanung forderte Fremy mehr Geld für die Jugendarbeit. Zudem fehle es an vernünftigen Mannschaftstransportfahrzeugen. Hier sei auch der Landkreis in der Pflicht, da die Fahrzeuge für die Kreisbereitschaft eingesetzt werden. Die Feuerwehr habe keine Wünsche, sondern Bedarf – und das nicht zu wenig, so Fremy. Die Politiker forderte er zum Nachdenken auf.

Vor diesen deutlichen Worten hatte Ortsbrandmeister Georg Doden auf sieben Brandeinsätze und fünf Hilfeleistungen zurückgeblickt. 2008 sei ein ruhiges Jahr gewesen. Neben den Einsätzen wurden 99 Unterflurhydranten und sechs Feuerlöschbrunnen überprüft. Ebenso wurden wieder einige Absperrrungen und Straßensicherungen bei verschiedenen Veranstaltungen durchgeführt.

Neben der normalen Feuerwehrarbeit hat die Wehr mit eigenen Kräften das Raumangebot in der Fahrzeughalle durch eine geschenkte Fertiggarage erweitert. Das Alarmierungsproblem hat man durch einen neuen Umsetzer und mit der Verlängerung der Funkantenne auf dem Dachboden in Griff bekommen.

Auch 2008 führte die Wehr drei Blutspendetermine in den Räumlichkeiten der Kirchengemeinde durch. Zudem beteiligte man sich wieder bei allen Veranstaltungen im Ortskern. Die Dienstbeteiligung der 31 aktiven Feuerwehrangehörigen lag bei 71 Prozent. Erfreulicherweise habe sich ein Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Carolinensiel gegründet, weitere Mitglieder seien willkommen, so Doden.

Die wichtige Arbeit der Jugendfeuerwehr unterstrich Jugendfeuerwehrwart Thomas Gruben mit seinem Bericht. Neue Wege ist man mit einer etwas außergewöhnlichen Werbeaktion gegangen, so konnten über den Radiosender NDR 1 in der Sendung „Plattenkiste“ fünf neue Mitglieder geworben werden. Das Highlight der Jugendwehr war natürlich wieder einmal die Teilnahme an einem Zeltlager. Mit Erfolg, wie sich herausstellte, denn mit fünf Pokalen und als Kreiszeltlager-Gesamtsieger kam die Jugendabteilung wieder nach Hause.

Gruben erklärte, dass die Jugendwehr neu eingekleidet werden müsse, andernfalls würde man nicht mehr zu Wettbewerben zugelassen. Einen historischen Moment hatte der Jugendwart ebenfalls zu vermelden: Mit dem Wechsel von der Jugend in die aktive Wehr ist Jannina Lenz nun die erste Frau in der Wehr. Trotz der fünf neuen Mitglieder machte er aber auf mögliche Nachwuchsprobleme aufmerksam.

Wittmunds stellvertretender Bürgermeister im Amt, Karl Hinrichs, berichte darüber, dass im neuen Haushalt die Fahrzeug Ersatzbeschaffung im vorgesehenen 2 Jahresrhythmus enthalten ist. Hinrichs, sowie Ratsherr Jens Multhaupt, der Feuerschutzausschussvorsitzende Wilhelm Busker und Pastorin Arnhild Bösemann bedankten sich bei den Kameraden der Ortsfeuerwehr Caroliniensiel für die ständige Einsatzbereitschaft und der Mithilfe bei Aktionen im Ort.

Was in punkto Feuerwehr auf Kreis- und Stadtebene so geschah, berichteten Kreisbrandmeister Wilfried Janssen und Wittmunds Stadtbrandmeister Mario Holzke. Janssen machte deutlich, dass die Stadt durch den Einsatz freiwilliger Feuerwehrleute sehr viel Geld gegenüber einer Pflichtfeuerwehr einspart. Denn bei einer Pflichtfeuerwehr kommen zu der technischen Ausrüstung auch noch Personalkosten hinzu. Stadtbrandmeister Mario Holzke sprach die immer wieder genannte „Wunschliste“ der Wehren an. „Wir haben keine Wünsche, dieses sind Ausblicke für notwendige Beschaffungen zur Erhaltung der Sicherheit der Bürger unserer Stadt.“ Die Wittmunder Wehren hätten einen Investitionsstau zu beklagen. Als Beispiele nannte Holzke die Umstellung auf den Digitalfunk und den erforderlichen Neubau des Feuerwehrhauses in Wittmund.

Ehrungen und Beförderungen:
Für seine 60-jährige Mitgliedschaft in der Wehr wurde Ehrenkreisbrandmeister Alfred Peters ausgezeichnet. Erstmalig in der Geschichte der Caroliniensieler Feuerwehr wird aus der Jugendfeuerwehr eine junge Frau in den Aktiven Dienst übernommen. „Janina Lenz ist Caroliniensiels erste Feuerwehrfrau-Anwärterin“. Zu Oberfeuerwehrmännern wurden Andre Janssen, Jann König und Denis Genz befördert. Ralf Lübben ist nun Löschmeister und Jens Fremy Hauptlöschmeister.

"IN" Im Notfall - Kontakt

Die Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen, sowie die örtlichen Rettungsdienste bitten darum einen sogenannten "Notfallkontakt" im Handy zu führen, um im Notfall Angehörige benachrichtigen zu können. Die große Mehrheit der Bevölkerung trägt keine Informationen bei sich, wen die Helfer im Notfall kontaktieren können. Deshalb werden oft wichtige und unter Umständen lebensrettende Informationen nicht rechtzeitig eingeholt. Darum hat man eine Idee aus England, die nach den Londoner Bombenanschlägen richtig bekannt geworden ist, aufgegriffen. Es sind nur drei einfache Schritte, die aber unter Umständen lebensrettend sein könnnen.

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