16. September - Ostfriesische Gefahrgutzüge üben in Emden

Bild: Joachim Riese, Feuerwehr EmdenEMDEN - Auf dem Gelände der Firma PetroTec in Emden ist es am Sonnabendmorgen zu einem Chemieunfall gekommen, so das Szenario für eine Feuerwehrübung mit mehr als 250 Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst.

Gegen 9.00 Uhr bemerkte der Fahrer eines mit 28.000 Litern Schwefelsäure befüllten Tanklastzugs ein Leck an seinem Fahrzeug. 10 Arbeiter der Produktion hielten sich ebenfalls auf dem Betriebsgelände auf, fünf von ihnen wurden schwer verletzt und kontaminiert. Die Verletztendarsteller, Kräfte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus den Ortsverbänden Aurich und Emden waren durch die Mitglieder der „Realistischen Unfalldarstellung“ des Jugend-Rot-Kreuz Südbrookmerland professionell geschminkt worden und spielten ihre Rollen, sofern sie ansprechbar waren, perfekt.

Direkt nach dem Notrufeingang wurde die zuständige Ortsfeuerwehr Borssum, Kräfte der Ortswehr Larrelt, die Gefahrgut-Einheit sowie die Informations- und Kommunikations-Gruppe der Feuerwehr Emden alarmiert. Vor Ort wurde den Einsatzkräfte schnell klar, dass sie nicht allein Herr der Lage werden konnten. Durch austretende Schwefelsäure waren nicht nur die Verletzten, sondern auch die Bevölkerung gefährdet. Der Wind trieb die ätzend riechende Giftwolke in die hafennahen Stadtteile.

Immer mehr Einsatzkräfte von Feuerwehr und Deutschem Roten Roten Kreuz trafen an der Unglückstelle ein. Zelte wurden aufgebaut, in denen Verletzte erstversorgt wurden. Erste Einsatzkräfte in speziellen Chemikalienschutzanzügen gingen zur Rettung der Verletzten vor. Diese befanden sich in unmittelbarer Nähe zum leckgeschlagenen Tanklastzug. Teilweise darauf und darunter, aber auch auf dem weitläufigen Firmengelände verstreut, hatten sich die Verletztendarsteller in Position gebracht und harrten mehrere Stunden aus. Alle zehn Personen wurden dem Rettungsdienst übergeben. Durch Rettungskräfte der DRK-Bereitschaft der Stadt Emden wurden die Verletzten abtransportiert.

Erst danach wurde der beschädigte Tank des Lkw abgedichtet. Um eine möglichst realistische Situation darzustellen waren die im Tankauflieger befindlichen 28.000 Liter Wasser mit unschädlicher grüner Farbe eingefärbt worden. Trockeneis sorgte für Rauchbildung an der Unglücksstelle.

Neben den kräftezehrenden Rettungs- und Bergungsarbeiten direkt auf dem Produktionsgelände waren weitere Einsatzkräfte mit Fahrzeugen in den angrenzenden Stadtteilen unterwegs, um Messungen an verschiedenen Punkten durchzuführen und die Bevölkerung mit Lautsprecherdurchsagen auf die Gefahr aufmerksam zu machen.

Gegen 12.30 Uhr wurde die Übung durch die Übungsleitung beendet. Etwas unglücklich war die Wetterlage. Es hat dauerhaft geregnet, sodass die Einsatzkräfte, aber auch die Verletztendarsteller zum Teil bis auf die Haut durchnässt waren.

In einer ersten Nachbesprechung der einzelnen Einsatzabschnittsleiter wurden oberflächlich einige Details zum Verlauf der Übung zusammengetragen. Eine ausführliche Auswertung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt in einer separaten Besprechung.

Im Großen und Ganzen jedoch zeigte sich die Übungsleitung um Sascha Smidt und Kai Düselder (Stadt Emden) und Wilfried Eilers (Stadt Norden, LK Aurich) aber mit dem Verlauf zufrieden. Acht Monate hatte die Ausarbeitung der in dieser Form absolvierten Übung in Anspruch genommen. Auch Smidt betonten noch einmal, dass nur durch solche Übungen die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte trainiert werden kann.

Beschwerden über Ruhestörungen in der Bevölkerung durch die Martinhörner der Einsatzfahrzeuge, die im sozialen Netzwerk laut wurden, wies der Pressesprecher der Emder Feuerwehr, Joachim Riese entsprechend zurück. „Das Fahren der Einsatzfahrzeuge im Übungsfall unter Realbedingungen dient unter anderem dazu, die jungen Fahrer zu trainieren. Nur mit dieser Alarmfahrt-Fahrpraxis ist gewährleistet, das die Fahrzeuge im Ernstfall sicher durch den Straßenverkehr bewegt werden können“, so Riese.

Für die Versorgung aller Kräfte war der Versorgungszug der Emder Feuerwehr, unter der Leitung von Ralph Weers, zuständig. Auch diese Mitglieder waren über Stunden in diese Übung eingebunden um neben dem Frühstück auch das Mittagessen für die über 250 Einsatzkräfte zuzubereiten und zu verteilen.

Unterstützung bei dieser Großübung erhielt die Feuerwehr neben der Firma PetroTec durch zwei Bäckereien, die maßgeblich zum Gelingen des Frühstücks beigetragen hatten. Diesen galt ein besonderer Dank, den Smidt aussprach.

Bericht und Bilder: Joachim Riese, Feuerwehr Emden

Bild: Joachim Riese, Feuerwehr EmdenBild: Joachim Riese, Feuerwehr EmdenBild: Joachim Riese, Feuerwehr Emden

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